Fünf Stunden für ein Spiel anstehen, neun Aufgaben für einen riesigen Pinguin erledigen oder spontan ein Spiel entdecken, das vorher gar nicht auf dem Plan stand: Die Gamescom 2026 zeigte mir erneut, dass die Messe weit mehr ist als eine Ansammlung neuer Games. Mein Besuch begann bereits am Montag im Gamescom Camp und führte mich von der Gamescom Dev über die Entertainment-Hallen bis in den Business-Bereich.
Montag – acht Stunden bis zum Gamescom Camp
Der erste Gamescom-Tag begann für mich um 4 Uhr morgens. Von Hagenow ging es mit dem Zug mit mehreren Umstiegen und Deutschlandticket nach Köln. Ein wenig Glück war gleich zu Beginn dabei: Ich erwischte einen früheren Zug als geplant. Trotzdem dauerte die gesamte Anreise bis zum Camp ungefähr acht Stunden. Dort wartete bereits eine lange Schlange mit viel Gepäck beim Check-in. Das Camp ist jedes Jahr gut besucht. Nach der Anmeldung musste zunächst das Zelt stehen. Nach Zugfahrt, Schlange und Zeltaufbau folgte der deutlich angenehmere Teil des Tages: rund zwei Stunden in der Therme. Besonders der Strudel tat nach der langen Anreise gut. Sich im Wasser herumwirbeln lassen – ein schöner Abschluss des ersten Tages.
Das Gamescom Camp ist mehr als ein Schlafplatz
Das Camp begleitete mich durch die gesamte Woche. Dort konnte man Essen kaufen und am Abend gab es beispielsweise Slush für 3 Euro. Vom Camp bekam ich außerdem einen Beutel mit einigen Kleinigkeiten, darunter einen schönen Trinkbecher, Chips und Nüsse. Ganz unwichtig ist die Wahl des Zeltplatzes nicht. Die Reihen helfen zunächst dabei, das eigene Zelt wiederzufinden. Sie verraten aber auch etwas über die Nachtruhe. Weiter vorne findet deutlich mehr Party statt. Ab etwa Reihe 4 und weiter hinten lässt es sich wesentlich besser schlafen. Zumindest, wenn die Temperatur mitspielt. In der ersten Nacht wurde es so kalt, dass mein Schlafsack nicht mehr ausreichte. Am Dienstag musste deshalb ein zweiter her. Bei Lidl erwischte ich tatsächlich noch einen Schlafsack. Weniger komfortabel fand ich die sanitären Anlagen. Die Duschräume in den Containern waren recht eng. Im Jugendhaus funktionierte an einigen Tagen sogar nur eine Dusche, während die anderen abgeschlossen waren. Nach mehreren Tagen Gamescom freuten sich meine Füße trotzdem über jede Gelegenheit, nicht mehr durch eine Messehalle laufen zu müssen.
Eigene Gruppen und kleine Gemeinschaften im Camp
Zum Gamescom Camp gehörten nicht nur Zelte und Schlafplätze, sondern auch die verschiedenen Gruppen, die sich dort zusammenfanden und teilweise schon durch ihre Namen auffielen. Dazu zählten beispielsweise die Haarige Männerbrust, die Stuhlgangallee, die RollingRedPandas und die Quietscheentchenfraktion. Einige Gruppen gestalteten ihren Bereich selbst und sorgten damit für eine ganz eigene Campatmosphäre. Besonders schön fand ich eine Gruppe, die in ihrem Zelt mit einem Beamer die erste Staffel von Pokémon zeigte. Immer wieder blieben andere Camper auf dem Weg durch das Gelände stehen und schauten einfach eine Weile mit. Solche kleinen spontanen Gemeinschaften machten für mich einen wichtigen Teil des Camplebens aus und zeigten, dass die Gamescom nach Messeschluss im Camp noch lange nicht vorbei war.
Vorträge auf der Devcom 2026
Die Devcom 2026 bot neben den Gesprächen mit Entwicklern ein umfangreiches Vortragsprogramm rund um Spieleentwicklung und Game Design. Für mich waren diese Sessions eine gute Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen aktueller Produktionen zu werfen. Besonders interessant fand ich den Vortrag zu 007 First Light, bei dem es darum ging, wie glaubwürdige Spielwelten und Räume entstehen und welche Überlegungen hinter ihrer Gestaltung stecken. Solche Vorträge machen die Devcom für mich besonders interessant: Statt ein fertiges Spiel lediglich anzuspielen, erfährst du direkt von den Entwicklern, welche technischen, gestalterischen und erzählerischen Entscheidungen während der Produktion getroffen werden. Damit ergänzte die Devcom den späteren Gamescom-Besuch sehr gut und zeigte eine Seite der Spiele, die in den vollen Entertainment-Hallen häufig in den Hintergrund rückt.
Die Pre-Show – mit Humor in den Gamescom-Abend
Am Dienstagabend verlagerte sich das Geschehen für mich von der gamescom dev zurück ins Gamescom Camp. Dort zeichnete sich bereits der nächste Höhepunkt des Tages ab. Immer mehr Camper versammelten sich vor der großen Leinwand beziehungsweise der Bühne, um gemeinsam die Opening Night Live zu verfolgen. Bevor die eigentliche Show begann, startete um 19:30 Uhr zunächst die rund halbstündige Pre-Show mit Kyle Bosman.
Die Pre-Show war dabei weit mehr als eine halbe Stunde Wartezeit auf das Hauptprogramm. Bosman führte durch zahlreiche Trailer und Ankündigungen und lockerte die Übergänge mit seinem trockenen, teilweise etwas schrägen Humor auf. Zwischen all den Spielen gab es dadurch immer wieder etwas zu lachen. Gerade im Camp funktionierte das besonders gut, weil wir nicht allein vor einem Bildschirm saßen, sondern gemeinsam auf Trailer, Ankündigungen und Bosmans Kommentare reagierten.
Inhaltlich steckte bereits erstaunlich viel in diesen ersten 30 Minuten. Zu sehen waren unter anderem Worms: Galactic Tactics, Train Sim World 7, RollerCoaster Tycoon Wonderworks, Aniimo, Genigods: Nezha, Perceptum, Acornia: Mirror Worlds, Valor Mortis, Tank Rat, Murals, Humankind 2, Elta: Defy All Gods, Age Twisters, Mariachi Legends und Onimusha: Way of the Sword.
Gerade Onimusha: Way of the Sword bekam für mich später noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Am Dienstagabend sah ich das Spiel zunächst auf der großen Leinwand im Camp. Am Donnerstagmorgen konnte ich es dann bei Capcom selbst ausprobieren. Solche Überschneidungen zwischen der Show und meinen späteren Erlebnissen in den Messehallen zogen sich durch die gesamte Gamescom.
Während der Pre-Show füllte sich der Bereich vor der Leinwand zunehmend. Kyle Bosman sorgte für Unterhaltung, die ersten Spiele liefen über den Bildschirm und die Stimmung steigerte sich langsam in Richtung Hauptshow. Damit funktionierte die Pre-Show tatsächlich wie eine Aufwärmphase für den großen Gamescom-Abend – allerdings eine, die bereits selbst voller Spiele und Ankündigungen steckte.
Opening Night Live – die Gamescom beginnt gemeinsam im Camp
Um 20 Uhr folgte schließlich der offizielle große Auftakt der Gamescom: die Opening Night Live 2026. Inzwischen saßen zahlreiche Camper vor der Leinwand. Während rund 5.000 Zuschauer die Show direkt vor Ort in Köln verfolgten und weltweit Millionen Menschen den Livestream einschalteten, erlebten wir sie gemeinsam mitten im Gamescom Camp.
Das verlieh der ONL für mich einen ganz anderen Charakter als ein Livestream zu Hause. Rundherum saßen Menschen, die aus demselben Grund nach Köln gekommen waren und nur darauf warteten, ihre persönlichen Favoriten zu sehen. Manche reagierten begeistert auf eine Ankündigung, die anderen weniger bedeutete, beim nächsten Trailer war es genau umgekehrt. Aus einer großen Online-Show wurde dadurch im Camp ein gemeinsames Erlebnis.
Durch die rund zweistündige Hauptshow führten Geoff Keighley und Eefje „Sjokz“ Depoortere. Trailer, Weltpremieren, Gameplay und neue Informationen folgten dicht aufeinander. Nach der lockereren Pre-Show wirkte die ONL deutlich größer und aufwendiger inszeniert.
Die Hauptshow startete direkt mit einer Neuankündigung. Nodus Fall von HoYoverse präsentierte sich als düsteres Fantasy-Actionspiel und unterschied sich damit deutlich von dem Stil, den viele Spieler mit dem Unternehmen verbinden. Danach folgte eine Mischung aus großen Produktionen, bekannten Marken und neuen Spielen.
Mit dabei waren unter anderem Gears of War: E-Day, Final Fantasy VII Revelation und Crimson Desert. Ubisoft präsentierte Tom Clancy’s Rainbow Six Tactics, während Warlock ein neues Spiel im Dungeons & Dragons-Universum vorstellte. Hinzu kamen beispielsweise Metro 2039, Mega Man: Dual Override, Game of Thrones: War for Westeros und Path of Exile 2.
Für mich wurde die ONL im Nachhinein besonders interessant, weil einige der dort gezeigten Spiele während meiner Gamescom-Woche noch eine ganz persönliche Rolle spielten.
Eines davon war Rayman Legends Retold. Auf der Leinwand war es zunächst eine weitere Gamescom-Präsentation. Zwei Tage später stand ich selbst dafür an und spielte den schwierigen, aber ausgesprochen lustigen Abschnitt mit „Macarena“. Plötzlich verband sich das, was ich gemeinsam mit den anderen Campern gesehen hatte, mit einem eigenen Spielerlebnis.
Noch stärker fiel dieser Effekt bei 1001 Threads of Mizan aus. Während der ONL konnte ich noch nicht wissen, dass ausgerechnet dieses Spiel später eine der für mich besten Präsentationen der gesamten Gamescom 2026 bieten würde. Statt uns einfach vor Spielstationen zu setzen, begann der Besuch in einer Bibliothek. Dort empfing uns ein orientalisch gekleideter Herr und stimmte uns auf die Atmosphäre des Spiels ein. Erst danach ging es zu den Spielplätzen. Selbst beim Verlassen des Standes endete die Inszenierung nicht: Passende Musik, Kaffee und Datteln rundeten den Besuch ab.
Auch The Blood of Dawnwalker entwickelte sich nach der ONL zu einer meiner persönlichen Überraschungen. Das Spiel stand ursprünglich gar nicht auf meinem Messeplan. Als ich es später spontan ausprobierte, war ich davon sehr begeistert. Dazu kamen die Vampire beziehungsweise Cosplayer am Stand, die hervorragend zur düsteren Atmosphäre passten und mir ebenfalls besonders gefielen. Einen davon wollte ich unbedingt fotografieren und kehrte deshalb später noch einmal zum Stand zurück.
Bei CONTROL Resonant führte der Weg von der Leinwand dagegen zu einer ziemlich beeindruckenden Warteschlange. Während der ONL gehörte das Spiel zu den großen Präsentationen, in der Entertainment Area bedeutete das entsprechend viel Interesse. Zeitweise zeigte der Stand rund 180 Minuten Wartezeit an. Ein Teil der Schlange verlief sogar innerhalb des Standes und war von außen gar nicht vollständig zu erkennen. An meinem letzten Messetag war ich deshalb bereits gegen 8 Uhr dort, um CONTROL Resonant endlich selbst spielen zu können.
Auch The Witcher 3: Wild Hunt – Songs of the Past schlug eine direkte Brücke zum nächsten Morgen. Am Dienstag sah ich das Spiel noch auf der Leinwand. Am Mittwoch begann mein erster richtiger Tag in den Entertainment-Hallen mit der Präsentation bei CD PROJEKT RED. Dort bekam ich einen ausführlicheren Einblick in das Spiel und seine Geschichte rund um Rittersporn.
Genau diese Überschneidungen machten die Opening Night Live für mich im Nachhinein besonders spannend. Am Dienstagabend waren es zunächst Trailer und Gameplaysequenzen auf einer Leinwand. Ab Mittwoch verwandelten sich einige davon in riesige Messestände, Warteschlangen und eigene Spielerlebnisse. Aus einem Namen in einer Show wurde plötzlich ein Spiel, das mich überraschte. Aus einer kurzen Präsentation entstanden mitunter mehrere Stunden Wartezeit.
Dabei ging es im Camp nicht ausschließlich um die Spiele auf der Leinwand. Die Reaktionen der anderen Camper gehörten genauso dazu. Jeder wartete auf andere Ankündigungen und hatte seine eigenen Favoriten. Genau deshalb fühlte sich die Opening Night Live dort weniger wie eine gewöhnliche Übertragung und mehr wie der gemeinsame Startschuss für die kommenden Messetage an.
Nach mehreren Stunden Pre-Show und ONL war der Abend allerdings noch nicht vorbei. Kaum endete die Übertragung, verlagerte sich das Geschehen wieder zwischen die Zelte. Einige Gruppen feierten weiter, andere saßen zusammen und irgendwo hatte eine Gruppe einen Beamer aufgebaut, um die erste Staffel von Pokémon zu schauen. Vorbeilaufende Camper blieben immer wieder stehen und sahen einfach eine Weile mit.
Spätestens an diesem Abend zeigte sich für mich, dass die Gamescom für die Camper nicht an den Türen der Koelnmesse endete. Im Gamescom Camp ging sie einfach weiter.
Mittwoch – der erste richtige Tag in den Gamescom-Hallen
Nach gamescom dev, Pre-Show und Opening Night Live begann am Mittwoch für mich der Teil der Gamescom, auf den ich mich besonders vorbereitet hatte: der erste richtige Tag in den Entertainment-Hallen. Was am Abend zuvor noch auf der großen Leinwand im Camp zu sehen war, stand nun plötzlich wenige Meter vor mir. Aus Trailern wurden Messestände, aus Ankündigungen spielbare Demos und aus meinem vorher erstellten Plan ziemlich schnell etwas, das ich immer wieder an die Realität vor Ort anpassen musste. Als Pressevertreterin konnte ich den Pressetag vor allem dazu nutzen, die Messe ausführlich zu dokumentieren. Gerade am Morgen bot sich eine gute Gelegenheit, die aufwendig gestalteten Stände, Figuren und Fotospots aufzunehmen, bevor die Hallen im Laufe des Tages voller wurden.
Für Games und Lyrik war diese Zeit besonders wertvoll. Neben den Spielen selbst gehören schließlich auch Präsentationen, Kulissen und die Gestaltung der Messestände zu meiner Berichterstattung. Mein Schwerpunkt lag an diesem Mittwoch auf den Hallen 7 und 8. Dabei zeigte sich schon am ersten Tag, wie unterschiedlich Entwickler und Publisher ihre Spiele inzwischen präsentieren. Klassische Gameplayvorführungen standen neben Geschicklichkeitsaufgaben, Stempelkarten, Social-Media-Challenges und aufwendig inszenierten Erlebnisbereichen.
Mein Gamescom-Start mit The Witcher 3
Mein erster großer Termin führte mich zu CD PROJEKT RED und The Witcher 3: Wild Hunt – Songs of the Past. Damit begann der Messetag ausgerechnet mit einem Spiel, das mich bereits während der Opening Night Live begleitet hatte. Die Präsentation setzte nicht einfach darauf, einen Trailer auf einer großen Leinwand abzuspielen. Gezeigt wurde Gameplay, das von einer Entwicklerin kommentiert und erläutert wurde. Dadurch bekam ich einen wesentlich besseren Einblick in die Gedanken hinter dem Gezeigten. Besonders interessant fand ich die Erklärungen zur Gestaltung der Spielwelt und zur erzählerischen Einbindung der Umgebung. Im Mittelpunkt stand dabei auch Rittersporn. Statt nur zu zeigen, was der Spieler macht, vermittelte die Präsentation etwas davon, warum bestimmte Orte und Situationen so gestaltet wurden.
Genau solche Präsentationen finde ich auf der Gamescom besonders wertvoll. Einen Trailer kann ich mir auch zu Hause ansehen. Auf der Messe möchte ich zusätzliche Informationen bekommen, mit Entwicklern sprechen oder zumindest etwas erfahren, das über das normale Marketingmaterial hinausgeht.Als Erinnerung gab es nach der Präsentation noch einen Schlüsselanhänger.Damit begann mein erster Messetag eher ruhig und informativ. Lange sollte es allerdings nicht so bleiben.
Halle 8 – Spiele allein reichen längst nicht mehr
In Halle 8 wurde besonders deutlich, wie sehr sich die Präsentation von Spielen auf großen Messen verändert hat. Ein Stand besteht längst nicht mehr zwangsläufig nur aus einem Logo, einigen Monitoren und einer Warteschlange. Viele Publisher versuchen, aus dem Besuch ein kleines Erlebnis zu machen. Das kann hervorragend funktionieren – allerdings kann es auch dazu führen, dass das eigentliche Spiel zeitweise fast in den Hintergrund rückt. Am Mittwoch begegnete mir praktisch die gesamte Bandbreite.
Bei Bellwright gehörte beispielsweise Bogenschießen zum Standprogramm. Statt lediglich vor einem Bildschirm zu sitzen, musste ich selbst zum Bogen greifen. Die Challenge machte Spaß und passte zumindest thematisch zum Spiel. Als Belohnung bekam ich ein Paar Socken. Das ist eine Form der Gamification, die ich durchaus mag: Eine kleine Aufgabe ergänzt das Spiel und schafft gleichzeitig eine Erinnerung an den Stand. Noch deutlich umfangreicher fiel die Sache bei Animula Nook aus.
Animula Nook – neun Stationen bis zum Pinguin
Der Stand von Animula Nook gehörte zu den Aktionen, für die man etwas mehr Zeit einplanen musste. Insgesamt warteten dort neun Stationen beziehungsweise Aufgaben. Einfach vorbeigehen, das Spiel kurz ausprobieren und anschließend weiterziehen funktionierte hier nicht. Wer die Aktion vollständig abschließen wollte, musste verschiedene Aufgaben erledigen. Dazu gehörte das Sammeln von Stempeln. Außerdem sollten Fotos aufgenommen und mit entsprechenden Hashtags auf Instagram veröffentlicht werden. Damit verband der Stand die Präsentation des Spiels sehr deutlich mit Social Media. Für mich entwickelte sich daraus fast ein kleines Tagesprojekt.
Gegen 11:30 Uhr legte ich direkt vor dem Stand meine Mittagspause ein. Das war gleichzeitig strategisch praktisch, denn um 12 Uhr sollte die Ausgabe eines besonderen Goodies beginnen. Und dafür hatte sich der Aufwand gelohnt. Nach Abschluss der Aufgaben bekam ich einen limitierten Pinguin, der fast einen Meter groß ist. Im Vergleich zu den üblichen Schlüsselanhängern, Pins oder kleinen Plüschtieren war das natürlich eine völlig andere Dimension. Der Pinguin gehört damit zu den auffälligsten Erinnerungsstücken meiner Gamescom 2026. Gleichzeitig zeigt Animula Nook sehr gut, wie weit Publisher inzwischen mit der Inszenierung ihrer Messestände gehen. Der Besucher soll nicht mehr nur spielen. Er soll Aufgaben erledigen, Fotos machen, Inhalte teilen, Stempel sammeln und möglichst lange mit der Marke interagieren. Das kann Spaß machen. Es kostet allerdings auch Zeit – und Zeit ist auf der Gamescom eine der knappsten Ressourcen überhaupt.
Arknights: Endfield – auch hier warteten Aufgaben
Bei Arknights: Endfield setzte sich dieses Prinzip fort. Auch dort gehörten verschiedene Quests zum Standbesuch. Damit entwickelte sich schon am Mittwoch ein Muster, das mir während der restlichen Gamescom immer wieder begegnen sollte: Viele große Stände verwandelten den Messebesuch in eine Art Questlog außerhalb des eigentlichen Spiels. Man sammelt Stempel, erfüllt Aufgaben und arbeitet sich Schritt für Schritt zur Belohnung vor. Grundsätzlich passt das erstaunlich gut zu einer Spielemesse. Schließlich übertragen die Veranstalter damit bekannte Spielmechaniken in die reale Welt. Aus einem digitalen Questgeber wird ein Mitarbeiter am Stand, aus einem Fortschrittsbalken eine Stempelkarte und aus der Questbelohnung ein reales Goodie.
Die Frage ist für mich eher, wo die Grenze liegt.
Wenn die Aufgabe das Spiel ergänzt, finde ich das interessant. Wenn ich am Ende allerdings mehr Zeit mit Instagram, Stempeln oder Gewinnspielen verbringe als mit dem eigentlichen Spiel, verschiebt sich der Schwerpunkt.
Stempelkarten und Glücksräder
Auch bei Level Infinite begegnete mir das Prinzip der Stempelkarte. Hinzu kam ein Glücksrad. Dort gewann ich ebenfalls Socken. Zu den möglichen Preisen gehörte unter anderem ein T-Shirt. Gerade das Glücksrad brachte mich allerdings zu einem Punkt, über den ich während der Gamescom noch häufiger nachdenken sollte. Ich mag Giveaways als Erinnerung an ein Spiel. Nach mehreren Jahren kann ein Schlüsselanhänger, ein Plüschtier oder ein T-Shirt sofort wieder die Erinnerung an einen bestimmten Messestand hervorrufen. Weniger gefällt mir, wenn nach dem Erfüllen einer Aufgabe hauptsächlich der Zufall darüber entscheidet, welche Erinnerung ich bekomme.
Die Gamescom 2026 zeigte mir immer wieder beide Varianten: feste Belohnungen für eine bestimmte Leistung und zufällige Gewinne. Später sollte beispielsweise auch Samsung mit einem digitalen Greifer auf Glück setzen. Am Mittwoch begann sich deshalb bereits ein Thema herauszukristallisieren, das sich durch meine gesamte Messewoche ziehen sollte: Wie viel Gamification braucht ein Messestand eigentlich?
Besonders einprägsam finde ich in dieser Hinsicht T-Shirts und Rucksäcke. Selbst dieses Jahr erblickte ich noch Crimson Desert Rucksäcke von vorletztem und letztem Jahr. Als Entwickler wäre doch eine Jahrelange Werbung für mich das Beste überhaupt, denn noch später nach der Messe, falle ich dadurch langfristig auf.
Gemeinsam gegen den Hatespeech-Drachen
Eine der ungewöhnlicheren Aktionen begegnete mir vermutlich ebenfalls am Mittwoch bei der Techniker Krankenkasse. Dort ging es nicht um ein bestimmtes Videospiel, sondern um das Thema Hatespeech. Mittelpunkt der Aktion war ein großer Drache. Vier Besucher mussten gemeinsam versuchen, ihn zu besiegen. Dafür standen Buzzer zur Verfügung und die Gruppe musste innerhalb von weniger als einer Minute richtig zusammenarbeiten. Das klingt zunächst einfach. In der Praxis entstand allerdings eine zusätzliche Schwierigkeit: Die vier Teilnehmer kannten sich möglicherweise überhaupt nicht.
Auch bei meinem Versuch bestand die Aufgabe deshalb nicht nur darin, schnell genug zu reagieren. Wir mussten uns innerhalb kürzester Zeit als Gruppe koordinieren. Wir schafften es nicht. Trotzdem ging ich nicht leer aus. Es gab ein Kartenspiel und bei einem weiteren Versuch einen Trostpreis. Den kleinen Rosa Drachen konnte ich allerdings nicht mitnehmen. Die Aktion blieb mir gerade deshalb in Erinnerung, weil sie ein ganz anderes Ziel verfolgte als die üblichen Standchallenges. Hier diente die spielerische Aufgabe dazu, eine Botschaft über Zusammenarbeit und den Umgang mit Hatespeech zu vermitteln.
Fotografieren, bevor die Hallen voll sind
Zwischen den einzelnen Terminen versuchte ich immer wieder, die Messe selbst zu dokumentieren. Der Pressetag zahlte sich beim Fotografieren besonders aus. Große Figuren, Standdekorationen und Fotospots wirken auf Bildern schließlich ganz anders, wenn die Bereiche nicht vollständig von Besuchern verdeckt werden. Die Gamescom investiert inzwischen enorm in solche visuellen Präsentationen. Einige Stände sind eher begehbare Kulissen als einfache Ausstellungsflächen. Schon am Mittwoch wurde deshalb klar, dass ich nicht nur möglichst viele Spiele ausprobieren wollte. Ich wollte auch Material für spätere Artikel sammeln. Das bedeutete fotografieren, Broschüren mitnehmen, Entwickler und Unternehmen notieren. Dadurch unterscheidet sich mein Gamescom-Besuch wahrscheinlich etwas von dem eines Besuchers, der ausschließlich zum Spielen kommt. Ein interessanter Stand kann für mich auch dann wertvoll sein, wenn ich die Demo selbst nicht schaffe.
Der erste Tag zeigte bereits das größte Gamescom-Problem: Zeit
Schon am Mittwoch wurde deutlich, dass mein vorheriger Plan niemals vollständig funktionieren konnte. Auf dem Papier sieht ein Messetag lang aus. Wenn die Hallen morgens öffnen, liegen schließlich viele Stunden vor einem. In der Praxis verschwinden diese Stunden erstaunlich schnell. Eine Präsentation dauert vielleicht 30 Minuten. Dazu kommt der Weg zum nächsten Stand. Dann steht man an. Anschließend möchte man Fotos machen. Bei einem anderen Stand fehlen noch zwei Stempel. Ein Entwickler erzählt etwas Interessantes. Irgendwo entdeckt man ein Spiel, das überhaupt nicht auf der eigenen Liste stand. Und plötzlich ist Mittag. Animula Nook zeigte das besonders gut. Die neun Aufgaben und die geplante Ausgabe des Pinguins um 12 Uhr beeinflussten meinen Tagesablauf. Gleichzeitig wollte ich andere Stände nicht verpassen. Mit jedem zusätzlichen Programmpunkt musste ich deshalb neu entscheiden: Was ist mir heute wichtig und was verschiebe ich auf einen anderen Tag? Diese Frage begleitete mich bis zum Ende der Messe.
Zwischen Entertainment und Recherche für Games und Lyrik
Der Mittwoch war deshalb nicht einfach mein erster Tag zum Anspielen. Er war gleichzeitig ein Recherchetag für Games und Lyrik. Gerade die Kombination aus Pressetag und Gamescom machte es möglich, Spiele und Entwickler zu entdecken, die in den großen Ankündigungen schnell untergehen. Neben bekannten Produktionen interessierten mich deshalb auch kleinere Projekte und Unternehmen, über die später eigene Artikel entstehen können. Broschüren und anderes Informationsmaterial landeten im Gepäck. Fotos kamen hinzu. Dazu entstanden neue Kontakte. Ein einzelner Messestand konnte dadurch gleich mehrere Funktionen erfüllen: Ich konnte ein Spiel kennenlernen, fotografieren, Informationen sammeln und möglicherweise bereits die Grundlage für einen späteren Artikel schaffen. Das erklärt auch, warum ich nicht bereit war, für jedes interessante Spiel mehrere Stunden in einer Warteschlange zu verbringen. Eine Wartezeit von fünf oder sechs Stunden bedeutet auf der Gamescom schließlich nicht nur, dass man lange steht. Sie bedeutet gleichzeitig, dass ein erheblicher Teil eines kompletten Messetages verloren geht.
Nicht jeder gute Stand braucht das größte Goodie
Nach diesem ersten Messetag begann sich für mich außerdem eine andere Erkenntnis abzuzeichnen. Der riesige Pinguin von Animula Nook war natürlich spektakulär. Die Socken vom Bogenschießen bei Bellwright sind dagegen vergleichsweise unscheinbar. Trotzdem erinnere ich mich an beide Aktionen. Entscheidend ist also nicht zwangsläufig der materielle Wert eines Giveaways. Bei Bellwright blieb das Bogenschießen selbst Teil der Erinnerung. Bei Animula Nook war es der komplette Weg durch neun Stationen. Bei The Witcher 3 wiederum brauchte es überhaupt keine große Challenge. Dort stand für mich die Präsentation im Vordergrund und der Schlüsselanhänger war lediglich ein netter Abschluss. Genau diese Unterschiede machen die Stände interessant.Ein gutes Messekonzept schafft eine Verbindung zwischen Spiel, Präsentation und Erinnerung. Das Goodie kann dazugehören, muss aber nicht der eigentliche Grund für den Standbesuch sein.
Vom Trailer am Dienstag zum eigenen Erlebnis am Mittwoch
Der Mittwoch schloss für mich außerdem unmittelbar an die Opening Night Live des Vorabends an. Noch wenige Stunden zuvor hatte ich mit den anderen Campern vor der Leinwand gesessen und gesehen, was die Gamescom in diesem Jahr präsentieren wollte. Nun bewegte ich mich selbst zwischen diesen Spielen. Dieser Wechsel war überraschend spannend. Am Dienstagabend ist alles noch perfekt inszeniert: Trailer, Musik, Moderation, schnelle Schnitte und große Ankündigungen. Am Mittwoch sieht die Realität anders aus. Dann stehst du tatsächlich vor dem Stand. Du siehst, wie groß er ist. Du entdeckst die Warteschlange. Du sprichst mit Menschen. Du probierst das Spiel aus oder stellst fest, dass dafür heute schlicht keine Zeit bleibt.Die Gamescom verwandelt die Show damit innerhalb weniger Stunden in etwas Greifbares.
Donnerstag – zwischen großen Spielen und dem Business-Bereich
Nach dem ersten vollständigen Messetag ging es am Donnerstag weiter. Inzwischen zeigte sich immer deutlicher, dass ein fester Tagesplan auf der Gamescom nur bedingt funktioniert. Warteschlangen, spontane Entdeckungen und interessante Aktionen verändern schnell die ursprüngliche Planung. Mein Donnerstag führte mich von Capcom in Halle 9 über Halle 6 immer wieder in den Business-Bereich, wo am Nachmittag neben Entwicklerkontakten mehrere Happy Hours und eine ziemlich unerwartete Begegnung warteten.
Donnerstagmorgen bei Capcom
Meine erste größere Station des Tages war Capcom in Halle 9. Dort spielte ich Dragon’s Dogma 2: Dark Arisen und Onimusha: Way of the Sword an. Onimusha kannte ich bereits von der Pre-Show der Opening Night Live. Am Dienstagabend hatte ich das Spiel noch gemeinsam mit den anderen Campern auf der großen Leinwand gesehen, nun konnte ich es selbst ausprobieren. Genau solche Wechsel zwischen Präsentation und eigenem Spielerlebnis machten die Gamescom für mich interessant. Nach Capcom ging es weiter nach Halle 6. Dort wartete schließlich ein Spiel, das ursprünglich überhaupt nicht auf meinem Tagesplan stand.
The Blood of Dawnwalker – die ungeplante Überraschung
The Blood of Dawnwalker entwickelte sich zu einer meiner größten positiven Überraschungen der Gamescom 2026. Eigentlich hatte ich den Titel für diesen Tag gar nicht eingeplant. Trotzdem entschied ich mich spontan, ihn auszuprobieren – und war anschließend sehr begeistert. Nicht nur das Spiel selbst blieb mir im Gedächtnis. Besonders gefielen mir die Vampire beziehungsweise Cosplayer am Stand. Sie passten hervorragend zur düsteren Atmosphäre von The Blood of Dawnwalker und sorgten dafür, dass die Spielwelt nicht am Bildschirm endete. Genau solche Elemente können einen Messestand für mich deutlich aufwerten.Nach dem Anspielen wollte ich deshalb unbedingt noch einen der Vampire fotografieren. Genau diese Gelegenheit verpasste ich allerdings zunächst. Also nahm ich mir vor, später noch einmal zum Stand zurückzukehren.
The Blood of Dawnwalker zeigte mir gleichzeitig, warum ich trotz meiner Planung immer etwas Raum für spontane Entdeckungen lassen möchte. Hätte ich meine Liste einfach Punkt für Punkt abgearbeitet, wäre eines meiner persönlichen Spielehighlights der Messe möglicherweise an mir vorbeigegangen.

Rayman Legends Retold – Macarena und eine ordentliche Herausforderung
Mit Rayman Legends Retold folgte anschließend ein vollkommen anderes Spielerlebnis. Besonders der Abschnitt mit „Macarena“ blieb mir im Gedächtnis. Die Verbindung aus Musik und Gameplay machte Spaß, gleichzeitig fand ich das Spiel durchaus schwierig. Mein Eindruck ließ sich deshalb ziemlich einfach zusammenfassen: toll, schwierig und lustig.
Auch während der Wartezeit bei Rayman entstand eine Erinnerung, die mit Ubisoft oder dem Spiel selbst gar nichts zu tun hatte. Ein anderer Besucher schenkte mir einen Hut von Hunt: Showdown 1896 für meine kleine Tochter. Der Hut besteht aus Polyester und überraschte mich durch seine gute Qualität. Zwischen den professionell geplanten Aktionen der Aussteller sind es manchmal gerade solche spontanen Begegnungen zwischen Besuchern, die im Gedächtnis bleiben.
Dead by Daylight – Maurice war schon weg
Bei Dead by Daylight zeigte sich dagegen eine weniger schöne Seite der Giveaway-Kultur. Am Stand gab es unter anderem einen Aufruf für selbst gezeichnete Bilder. Besonders begehrt waren jedoch die Maurice-Plüschtiere. Die waren bereits vergriffen.Gerade bei begehrten Gamescom-Goodies ist das schade. Wer einen Stand später besucht, bekommt unter Umständen überhaupt keine Gelegenheit mehr, eines davon zu erhalten. Zusammen mit Glücksrädern, Stempelkarten und anderen Aktionen bestätigte sich damit ein Eindruck, der bereits am Mittwoch entstanden war: Giveaways spielen auf der Gamescom inzwischen eine erstaunlich große Rolle. Ein Souvenir als Erinnerung an ein Spiel finde ich schön. Weniger gefällt mir, wenn der Erhalt hauptsächlich vom Glück abhängt oder die interessantesten Sachen so schnell verschwinden, dass viele Besucher gar keine Chance darauf bekommen.

Wenn es zu voll wurde, ging es in den Business-Bereich
Im Laufe des Donnerstags füllten sich die Entertainment-Hallen immer stärker. Statt mich zwangsläufig in die nächste lange Warteschlange zu stellen, wechselte ich dann in den Business-Bereich. Für Games und Lyrik bedeutete das keine verlorene Messezeit. Im Gegenteil: Dort konnte ich Entwickler, Publisher und Unternehmen kennenlernen, Informationsmaterial sammeln und Spiele entdecken, die zwischen den großen Publikumsmagneten der Entertainment Area leicht untergehen. Der Business-Bereich fühlte sich teilweise wie eine zweite Messe an. Während draußen riesige Figuren, Bildschirme und Warteschlangen dominierten, standen hier Gespräche, Kontakte und internationale Zusammenarbeit stärker im Mittelpunkt. Besonders interessant fand ich die zahlreichen Länderpavillons, an denen Studios und Unternehmen aus unterschiedlichen Regionen gemeinsam auftraten. Für mich entstanden dort viele neue Ansatzpunkte für spätere Artikel auf Games und Lyrik.
Happy Hours in den Länderpavillons
Am Donnerstag fanden im Business-Bereich außerdem mehrere Happy Hours statt. Auch Katalonien veranstaltete eine, dort ging ich allerdings nicht hinein. Bei der Schweiz gab es unter anderem Chips und Getränke. Solche Veranstaltungen boten neben Essen und Getränken vor allem Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Deutlich auffälliger präsentierte sich anschließend Bayern.
Schweiz – Musik, Chips und Getränke
Am Nachmittag führte mich mein Weg zunächst zum Schweizer Pavillon. Gegen 15 Uhr begann dort die Happy Hour. Neben Chips und Getränken gehörte auch Musik zum Programm und sorgte für eine deutlich lockerere Atmosphäre im Business-Bereich.
Gerade diese Mischung gefiel mir an den Happy Hours. Zwischen Gesprächen mit Entwicklern, Unternehmen und anderen Branchenvertretern entstand für eine Weile weniger das Gefühl eines Geschäftstermins und mehr das eines gemeinsamen Treffpunkts auf der Gamescom. Die Musik gehörte für mich deshalb genauso zur Erinnerung an den Schweizer Pavillon wie die Verpflegung.
Danach ging es für mich weiter zu Bayern mit Controller-Lebkuchen, schwarz-rot-gelben Mini-Burgern und Weißwurst.
Bayern – Controller-Lebkuchen und Burger in Landesfarben
Schon die Lebkuchen in Form eines Spielecontrollers passten perfekt zur Gamescom. Bei der Happy Hour kamen kleine Burger in Schwarz, Rot und Gelb hinzu. Einige waren mit Jagdwurst gefüllt, daneben gab es eine vegane Variante mit Gemüse. Süßer Senf gehörte ebenfalls dazu. Außerdem wurde ein Gericht mit Weißwurst angeboten. Nach einer Ansprache füllte sich der Bayernpavillon allerdings extrem. Zeitweise war es dort so eng, dass kaum noch ein Vor- oder Zurückkommen möglich war. Damit erreichte der Besucherandrang selbst den Business-Bereich.
Der Bundespräsident
Eine Gruppe aus Polizei und Sicherheitskräften bewegte sich durch die Halle, begleitet von zahlreichen Menschen in Anzügen. Mittendrin lief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Natürlich war sein Besuch der Gamescom geplant. Für mich kam die Begegnung trotzdem vollkommen unerwartet. Ich war gerade im Business-Bereich unterwegs und plötzlich zog der gesamte Tross an mir vorbei. Später begegnete mir die Gruppe noch einmal aus der anderen Richtung. Die Situation zeigte ziemlich eindrucksvoll, welche Bedeutung die Gamescom inzwischen erreicht hat. Zwischen Entwicklergesprächen und Spielepräsentationen begegnete mir plötzlich das deutsche Staatsoberhaupt.

Brasilien – Cachaça und Bohnen
Später führte mich mein Weg zum brasilianischen Auftritt. Dort gab es Getränke mit Cachaça und ein Bohnengericht, das für mich etwas ungewöhnlich war. Gerade diese Länderpavillons machten für mich einen besonderen Reiz des Business-Bereichs aus. Sie präsentierten nicht nur einzelne Entwickler und Spiele, sondern vermittelten gleichzeitig etwas von den jeweiligen Gamesbranchen der verschiedenen Länder. Innerhalb kurzer Zeit konnte ich so Entwickler aus vollkommen unterschiedlichen Regionen kennenlernen.
Frankreich – Wein und Käse zum Abschluss
Gegen Ende meines Messetages führte mich mein Weg noch zum französischen Pavillon. Dort gab es Wein und Käse. Damit endete ein Donnerstag, der von Capcom und The Blood of Dawnwalker über Rayman und Dead by Daylight bis zu internationalen Entwicklerkontakten und den Länderpavillons reichte. Als ich schließlich die Messe verließ, war es bereits nach 18 Uhr.
Zwischen Spieleentdeckung und Gamification
Stempelkarten, Glücksräder, Social-Media-Aufgaben, Fotomissionen, digitale Greifer, Geschicklichkeitsaufgaben und Gewinnspiele waren überall auf der Gamescom zu finden. Grundsätzlich mag ich solche Aktionen. Wenn ich ein Spiel ausprobiere und anschließend eine kleine Erinnerung daran mitnehmen kann, ergänzt das den Standbesuch. Problematischer finde ich es, wenn nach einer langen Wartezeit nicht das Spiel, sondern das Glück über die Erinnerung entscheidet. An manchen Ständen wusste man vorher nicht, ob oder welches Goodie man bekommen würde. Bei anderen waren begehrte Artikel schon sehr früh vollständig vergriffen. Eine Challenge kann den Standbesuch bereichern. Sie sollte für mich aber nicht wichtiger sein als das Spiel selbst.
Wenn es zu voll wurde, ging es in den Business-Bereich
Die Entertainment-Hallen konnten extrem voll werden. Bei einzelnen Spielen lagen die Wartezeiten bei fünf bis sechs Stunden oder sogar darüber. Meine Strategie war deshalb relativ einfach: Wurde es mir zu voll, wechselte ich in den Business-Bereich. Dort konnte ich Entwickler und Unternehmen kennenlernen, Informationsmaterial für Games und Lyrik sammeln und die internationalen Länderpavillons besuchen. Deshalb verliefen meine Messetage nicht streng Halle für Halle. Ich wechselte abhängig von Andrang und Wartezeiten zwischen Entertainment- und Business-Bereich.
Plötzlich läuft der Bundespräsident vorbei
Am Donnerstag bekam der Business-Bereich außerdem unerwartet hohen Besuch. Plötzlich zog eine Kolonne aus Sicherheitskräften und Polizei durch die Halle. Dahinter folgten zahlreiche Menschen in Anzügen – und mittendrin Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Später kam mir die gesamte Gruppe noch einmal aus der anderen Richtung entgegen.Geplant war die Begegnung natürlich nicht. Ich war schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Happy Hours zwischen Schweiz, Bayern, Brasilien und Frankreich
Der Business-Bereich zeigte am Donnerstag noch eine andere Seite der Gamescom. Mehrere Länder- und Regionalpavillons veranstalteten Happy Hours. Katalonien hatte ebenfalls eine, dort war ich allerdings nicht dabei. Um 15 Uhr ging es zur Schweiz, wo unter anderem Chips und Drinks bereitstanden. Besonders auffällig war Bayern. Dort gab es schon Lebkuchen in Form von Spielecontrollern. Bei der Happy Hour kamen schwarze, rote und gelbe Miniburger hinzu. Einige waren mit Jagdwurst gefüllt, daneben gab es eine vegane Variante mit Gemüse. Süßer Senf durfte ebenfalls nicht fehlen. Dazu kam ein Gericht mit Weißwurst. Nach einer Ansprache war der Bayernpavillon allerdings so voll, dass zeitweise kaum noch ein Vor- oder Zurückkommen möglich war. In einer anderen Business-Halle ging es international weiter. Brasilien servierte Getränke mit Cachaça und ein für mich etwas ungewöhnliches Bohnengericht. Kurz bevor ich die Messe verließ, folgte noch Frankreich mit Wein und Käse. Vor 18 Uhr kam ich an diesem Donnerstag nicht aus der Messe.
Freitag – mein letzter Messetag zwischen überfüllten Hallen und großen Highlights
Am Freitag begann mein letzter Messetag auf der Gamescom 2026. Inzwischen zeigte sich deutlich, wie stark die Besucherzahlen im Verlauf der Woche angestiegen waren. Die Hallen waren teilweise extrem voll und bei einigen Spielen lagen die Wartezeiten bei fünf bis sechs Stunden oder sogar noch darüber. Für mich bedeutete das erneut, zwischen Entertainment Area und Business-Bereich zu wechseln, statt einen großen Teil des Tages ausschließlich in Warteschlangen zu verbringen.
CONTROL Resonant – früh zum Stand statt drei Stunden warten
Eines meiner Ziele für diesen Tag war CONTROL Resonant. An den vorherigen Tagen war es dort schlicht zu voll gewesen. Deshalb machte ich mich an meinem letzten Messetag früh auf den Weg zum Stand. Die Warteschlange war dabei etwas tückisch, denn ein Teil davon verlief innerhalb des Standes und war von außen kaum zu erkennen. Als Wartezeit wurden zeitweise ungefähr 180 Minuten angezeigt. Für die Demo konnte man theoretisch deutlich mehr Zeit einplanen, ich selbst spielte ungefähr 20 Minuten. Als Erinnerung gab es anschließend ein T-Shirt. Leider war keine Größe XXL verfügbar. Gerade bei solchen Ständen zeigte sich, wie schwierig die Gamescom am Freitag zu planen war. Ein einzelnes Spiel konnte durch die Warteschlange schnell einen erheblichen Teil des gesamten Messetages beanspruchen.
Halle 6 – und endlich zurück zu den Vampiren
Am Freitag sah ich mir auch den restlichen Teil von Halle 6 genauer an. Dabei kehrte ich noch einmal zu The Blood of Dawnwalker zurück. Das Spiel hatte mich bereits am Donnerstag vollkommen ungeplant begeistert. Besonders die Vampire und Cosplayer am Stand waren mir im Gedächtnis geblieben. Am Vortag hatte ich die Gelegenheit für ein Foto mit einem der Vampire verpasst. Deshalb ging ich noch einmal zurück und konnte das Foto schließlich nachholen. Für mich gehörte gerade diese Inszenierung zu den gelungenen Beispielen dafür, wie ein Messestand die Atmosphäre eines Spiels über den Bildschirm hinaus transportieren kann.
1001 Threads of Mizan – eine der besten Präsentationen der Messe
Ein besonderes Highlight wartete am Freitagnachmittag mit 1001 Threads of Mizan. Ohne Unterstützung hätte es mit dem Besuch möglicherweise schwierig ausgesehen. Im Business-Bereich bekam ich jedoch ein Fast-Lane-Ticket und konnte dadurch die Präsentation besuchen. Schon der Einstieg unterschied sich deutlich von vielen anderen Gamescom-Ständen. Statt direkt vor einer Reihe von PCs oder Konsolen zu landen, betraten wir zunächst eine Bibliothek. Dort begrüßte uns ein orientalisch gekleideter Herr und führte in die Präsentation ein. Erst danach ging es weiter zu den Spielstationen.

Gerade dieser Aufbau gefiel mir ausgesprochen gut. Die Besucher sollten nicht einfach nur eine Demo starten, sondern zunächst in die Atmosphäre des Spiels eintauchen. Auch der Abschluss passte zum Konzept: Beim Verlassen des Bereichs liefen passende Musikstücke, außerdem gab es Kaffee und Datteln. Für mich gehörte 1001 Threads of Mizan damit zu den besten Spielepräsentationen der gesamten Gamescom 2026. Der Stand zeigte, dass ein starkes Messeerlebnis nicht zwangsläufig aus möglichst vielen Gewinnspielen oder riesigen Giveaways bestehen muss. Hier stand die Welt des Spiels im Mittelpunkt.
Samsung – der blaue Einhorn-Plüsch blieb unerreichbar
Bei Samsung begegnete mir dagegen erneut eine Form der Gamification, bei der der Zufall eine große Rolle spielte. Dort gab es einen digitalen Greifer beziehungsweise eine virtuelle Greifautomaten-Aktion. Mein Ziel war ein blaues Einhorn-Plüschtier. Nach mehreren Versuchen gab ich allerdings auf. Das Einhorn blieb damit eines der Goodies, die ich zwar gerne mitgenommen hätte, bei denen der Aufwand am Ende aber nicht mehr im Verhältnis zum möglichen Gewinn stand.
Exterminauts – Fotos und eine Tasche als Erinnerung
Auch bei Exterminauts machte ich am Freitag Halt. Dort nutzte ich die Gelegenheit für Fotos und bekam eine Tasche aus Kunstleder beziehungsweise lederähnlichem Material. Gerade solche kleineren Stände und Spiele waren für meine Arbeit an Games und Lyrik interessant. Neben den großen Publikumsmagneten konnte ich hier Material für spätere Artikel sammeln und Spiele entdecken, die zwischen den riesigen Messeauftritten leicht übersehen werden.

Hall 9 und LEGO ohne Stempelchallenge
Im Laufe des Tages führte mich mein Weg außerdem noch einmal durch Halle 9. Auch LEGO war dort vertreten und setzte auf eine Stempelchallenge. Nach den vielen Aufgaben, Quests und Sammelaktionen der vorherigen Tage entschied ich mich diesmal allerdings dagegen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich auf der Messe bereits genug Stempelkarten, Social-Media-Aufgaben, Glücksräder und Challenges erlebt. Nicht jede Aktion musste deshalb noch in meinen Tagesplan passen.
Valheim – rund drei Stunden für einen Lox
In Halle 10 wartete mit Valheim anschließend eine der zeitintensivsten Aktionen meines Freitags. Dort spielte ich nicht nur das Spiel, sondern stellte mich auch für einen besonders auffälligen Preis an: einen sehr großen Lox als Plüschtier. Für den Lox stand ich ungefähr drei Stunden. Damit gehörte er zu den Erinnerungsstücken, für die ich auf dieser Gamescom mit Abstand die längste Zeit investierte. Seine genaue Größe möchte ich noch nachmessen, denn klein ist er definitiv nicht. Gerade nach mehreren Tagen auf der Messe spürte ich bei einer solchen Wartezeit allerdings auch meine Füße. Stundenlanges Laufen durch die Hallen und anschließendes Stehen in Warteschlangen summiert sich schneller, als man zu Beginn der Gamescom erwartet.
Hall 5 – Merchandise, Kartenspiele und ein Cosplayer
Auch Halle 5 gehörte noch zu meinem letzten Messetag. Dort standen Merchandise und Kartenspiele stärker im Mittelpunkt. Ich lief durch die Halle, sah mir die verschiedenen Angebote an und nutzte außerdem die Gelegenheit für ein Foto mit einem Cosplayer. Nach den spielorientierten Hallen wirkte dieser Bereich noch einmal etwas anders. Gerade zum Ende der Messe bot sich hier die Möglichkeit, einfach durch die Angebote zu stöbern, ohne zwingend die nächste mehrstündige Warteschlange einzuplanen.
Forgotten Playland – ein kleiner Bär aus dem Business-Bereich
Auch der Business-Bereich spielte an meinem Freitag wieder eine Rolle. Wenn die Entertainment Area zu voll wurde, war er für mich weiterhin eine gute Alternative zum reinen Warten. Dort bekam ich bei Forgotten Playland einen kleinen Bären mit Glöckchen. Er dürfte ungefähr 20 bis 30 Zentimeter groß sein. Nach dem fast einen Meter großen Pinguin, dem riesigen Lox und verschiedenen anderen Erinnerungsstücken gehörte damit auch noch ein deutlich handlicheres Plüschtier zur Gamescom-Ausbeute.
Großbritannien – Mochi gegen Ende des Messetages
Gegen Ende des Tages führte mich mein Weg auch zum britischen Bereich. Dort wurden noch Mochi verteilt. Zur Auswahl gehörten unter anderem Mango-Mochi mit Eisfüllung sowie Mochi mit Stracciatella-Füllung. Zusätzlich gab es To-go-Becher zum Mitnehmen. Die Mochi selbst waren dagegen keine Verpflegung zum Mitnehmen, sondern wurden vor Ort verteilt. Nach einem langen Tag zwischen vollen Hallen, Warteschlangen und Terminen war die süße Pause durchaus willkommen.
Das Anime-Konzert in Halle 1 habe ich verpasst
Nicht alles ließ sich während der Gamescom unterbringen. In Halle 1 fand ein Anime-Konzert statt, das ich mir eigentlich gerne angesehen hätte. Am Ende passte es jedoch nicht mehr in meinen Zeitplan und ich verpasste es komplett. Das war schade, aber bei der Größe der Messe kaum zu vermeiden. Selbst mit mehreren Tagen vor Ort bleibt immer etwas übrig, das zeitlich nicht mehr funktioniert.
Bis 20 Uhr auf der Messe
Am Freitag blieb ich bis ungefähr 20 Uhr auf dem Gelände. Damit endete mein persönlicher letzter Messetag deutlich später als der Donnerstag. Nach mehreren Tagen Gamescom, langen Wegen durch die Hallen und teilweise stundenlangen Warteschlangen waren meine Füße entsprechend fertig.Zurück im Gamescom Camp war der Tag allerdings noch nicht ganz vorbei.
Mario Kart 64 und eine Polonaise zur Cantina Band
Am Abend fand im Camp noch einmal eine Party statt. Auf der großen Leinwand beziehungsweise über den Beamer lief unter anderem ein Mario-Kart-64-Duell. Nach mehreren Tagen mit aktuellen Spielen auf leistungsstarker Hardware hatte es durchaus seinen Charme, zum Abschluss noch einmal einen Nintendo-64-Klassiker zu sehen. Später entstand sogar eine Polonaise zur Cantina Band aus Star Wars. Damit bekam mein letzter Abend im Gamescom Camp einen ziemlich ungewöhnlichen Abschluss. Gegen Mitternacht ging ich schließlich schlafen. Viel Zeit blieb allerdings nicht: Schon wenige Stunden später musste ich wieder aufstehen, das Zelt abbauen und mich auf den Weg zum Bahnhof machen. Vor mir lag noch die lange Rückfahrt nach Hause.
Gamescom 2026 – vieles geplant, das Beste manchmal zufällig entdeckt
Meine Gamescom 2026 bestand nicht nur aus den Spielen, die vorher auf meiner Liste standen. The Blood of Dawnwalker hatte ich beispielsweise überhaupt nicht eingeplant und gerade dieser Titel überraschte mich positiv. Die Vampire und Cosplayer am Stand verstärkten den Eindruck zusätzlich. 1001 Threads of Mizan zeigte wiederum, wie stark eine durchdachte Präsentation die Wahrnehmung eines Spiels beeinflussen kann. Der Empfang in der Bibliothek, die Spielstationen und der Abschluss mit Musik, Kaffee und Datteln bildeten ein stimmiges Ganzes. Für mich war es eine der besten Spielepräsentationen der Messe. Rayman brachte mich mit Macarena zum Lachen und forderte mich gleichzeitig stärker als erwartet. Daneben standen Entwicklerkontakte, internationale Pavillons, Happy Hours, Fotografieren, Cosplay und jede Menge Aktionen.
Nicht alles überzeugte mich. Wartezeiten von fünf oder sechs Stunden machen spontanes Ausprobieren schwierig. Noch weniger gefällt mir, wenn ein Giveaway nach langem Warten oder mehreren Aufgaben hauptsächlich vom Glück abhängt. Und wenn begehrte Erinnerungsstücke schon am Pressetag verschwunden sind, gehen viele spätere Besucher zwangsläufig leer aus. Trotzdem gehört genau dieses Durcheinander für mich zur Gamescom: Du gehst mit einem Plan hinein und kommst mit völlig anderen Geschichten wieder heraus. Manchmal ist das ein überraschend gutes Spiel. Manchmal ein riesiger Pinguin oder ein Lox. Manchmal schenken dir andere Besucher einen Hut für deine Tochter. Und manchmal läuft dir im Business-Bereich einfach der Bundespräsident entgegen.
Mehr zur Messe findest du auf der offiziellen Gamescom-Website.
